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Die Saarbrücker Bahnhofstrasse

Die Saarbücker Bahnhofstrasse ist Deutschlands meistbesuchte Einkaufsstrasse und seit über 150 Jahren die zentrale Lebensader der saarländischen Landeshauptstadt, früher wie heute durchmischt mit einer vielfältigen Gastronomie. In vergangenen Zeiten dominierten die traditionellen Familien- und Handwerksbetriebe ergänzt durch Dienstleitungsbetriebe aller Art. In den Zwischenkriegsjahren fand eine grossstädtische Entwicklung statt, welche im Bombenangriff in der Nacht vom 29./30. Juli 1942 fast völlig zerstört worden war. Aber heute erstrahlt die Flanier- und Einkaufsmeile wieder in bestem Erscheinungsbild.

 

Ende der 1920er und in den 1930er Jahren wurde Otto Zollinger für seine avantgardistische Architektur mehrfach für die Bahnhofstrasse engagiert. Seine Veränderungen an den Gebäuden in der Formensprache des Neuen Bauens gaben der Bahnhofstrasse in ihrer Leichtigkeit ein weltoffenes und modernes Flair. (Beschreibung aus Schaufenster des Lebens, 150 Jahre Bahnhofstrasse Saarbrücken, Edition Schaumberg, 2014)

Leider ist von Zollingers Schaffen an der Bahnhofstrasse nach dem Krieg nichts mehr übriggeblieben.

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Speziell von Bauherrn aus der Konfektions- und Schuh-Branche, oft jüdisch, wurde Zollinger gerne beigezogen, meistens für Fassade und Eingang sowie die Verkaufsräume, welche er oft in einem Art déco ähnlichen Stil gestaltete:

Emil Kahn,Herren und Knabenkonfektion. 1925

Schuhhaus Louis Spier und Schuhaus Bata. Jahre unbekannt

Overbeck war das renommierte Fachgeschäft für Herrenkonfektion.

Ein Um- und Erweiterungsbau erfolgte 1937 kurz vor Kriegsausbruch. Die Fassadengestaltung zeigte, bedingt durch die stilistischen Auflagen der Nationalsozialisten, wieder eine gewissen Geschlossenheit und Schwere. Der elegante Innenausbau im Art déco-Stil zog sich über mehrere Etagen.

Der Rheinische Hof war eine der ältesten und erstklassigsten Hoteladressen. Zollinger renovierte 1927 verschiedene Gasträume. Einerseits die Bar mit Wandmalereien seiner Gattin Freda Zollinger-Streiff. Andererseits einen Speisesaal, wiederum im Art-déco-Stil.

Eine weitere Gaststätte war der Schnellimbiss Eins-Zwei-Drei. Die Saarbrücker-Zeitung schrieb dazu am 3. März 1930:

«Das Nonplusultra aber aller Gesichtsveränderungen dieser Geschäftsstrasse ist der Umbau für die Schnellgaststätte «ein-zwei-drei». Aus einem absolut nichtssagenden Hauseck ist eine hochmoderne Buntglasarchitektur geworden, die bei aller Kühnheit, mit der hier mit allen alten Baukonditionen gebrochen worden ist, unbedingt überzeugt und fasziniert. Sowohl die Aufteilung wie die Ornamentierung der Farbflächen ist künstlerisch ebenso originell wie interessant. Wir können es wagen, ohne die Leistungen der anderen Architekten irgendwie zu schmälern, an dieser Stelle Herrn Zollinger zu gratulieren».

Weitere Ausführungen in den Kapiteln Art déco-Interieurs und Restaurants.

 

Möglicherweise waren auch weitere Bauten Zollingers an der Bahnhofstrasse Saarbrücken domiziliert, insbesondere Restaurants und Schnellimbisse in Zusammenhang mit der Walsheim-Brauerei. Aktuell sind keine Adressen bekannt.

 

Empfehlenswerte Literatur zur Bahnhofstrasse Saarbrücken:

Schaufenster des Lebens – 150 Jahre Bahnhofstrasse Saarbrücken.

Veröffentlichung des Stadtarchives Saarbrücken. Edition Schaumberg, 2014. 375 Seiten

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