Adliswil. 50er/60er
1950 - 1970
Ab den 1950er-Jahren war der Lebensmittelpunkt von Otto und Helen Zollinger in Adliswil, wo sie ihr Einfamilienhaus an der Hündlistrasse 2 bewohnten. Das Haus ist mir in guter Erinnerung, da wir als Kinder mit der Familie dort öfters zu Besuch waren.
Dieses Haus entwarf und baute er Anfang der 1950er-Jahre, gleichzeitig mit einem sehr ähnlichen Haus, direkt angrenzend mit der Nummer Hündlistrasse 4, beide mit Pultdach in Hangrichtung. Die zwei Häuser sind auf den nordweslichen Kurzseiten verbunden mit einem Garagentrackt.
Situation 2026: Das Haus 2 wurde vor einigen Jahren umgebaut und aufgestockt. Das Haus 4 ist unbewohnt, verlassen und verwachsen – es ist ein Neubauprojekt geplant.
Auf einem Grundstück daneben, Rellstenstrasse 20, steht ein Haus mit Satteldach im sehr ähnlichen, unverwechselbaren Stil. Ich gehe davon aus, dass es auch von Otto Zollinger ist.
Typisch für alle 3 Häuser sind ein aus der Fassade herausragender gelber Fenstererker. Dann Fassadenteile aus Holz oder sichtbaren Backsteinen. Keine Fassade ist durchgehend – alle weisen eine versetzte Fläche sowie Nischen oder Anbauteile auf. Der Garagen-Verbindungstrakt Hündlistrasse 2-4 weist 2026 noch diesen gelben Aussenanstrich auf, welcher für die erwähnten Erker und vermutlich auch für Teile der Fassade von der Felsenegg-Bahn-Talstation im Jahre 1958 verwendet worden war – diese befindet sich ja im gleichen Quartier.
Alle Einfamilienhäuser Zollinger aus dieser Zeit sind in ähnlichem Stil. Merkmale sind Holzteile und sichtbare Backsteine an und in der Fassade, sowie die Ausrichtungen der Schrägdächer. Typisch für Zollinger ist die Staffelung eines Hauses, also Bauteile in unterschiedlichen Höhen und mit verschiedenen Dachschrägen – dies sowohl beim früheren Stil Neues Bauen als auch hier in den 50er-Jahren.

Auf der Terrasse Hündlistrasse 2 ca. 1960
v.r.n.l.: Otto und Helen Zollinger, Enkel Thommi und Anja Maurer


Benachbartes Einfamilienhaus mit Satteldach und ebenfalls gelbem Erker, heute noch bestehend.

Einfamilienhaus Otto und Helen Zollinger, heute aufgestockt und umgebaut. Talseitig das noch bestehende ähnliche Einfamilienhaus, welches ab 2026 einem Neubau weichen wird.

1948. Schwimmbad Adliswil
Das ehemalige Garderobegebäude steht noch, wird von einer Therapie genutzt und steht leider sehr vernachlässigt da. Interessant die treibhausähnlichen, grossen, schrägen Fenster.








1953. Einfamlienhaus Freda Zollinger-Streiff, Küsnacht
Otto Zollinger baute es während seiner dritten Ehe für seine zweite Ehefrau, meine Grossmutter. Sie hatte auch viele Dekorationsmalereien für ihn gemacht in Gebäuden während der Saarbrücker-Zeit und auch in Mövenpicks. Siehe dazu Kapitel Freda Zollinger-Streiff. In einer gewissen Weise erinnert das Haus an die Villa Streiff, ebenfalls in Küsnacht, und zwar durch die überragende Oeffnung auf die Seeseite und dem relingartigen grossen Balkon, platziert in einer Wiese, aber infolge des Holzes hier vielleicht mehr an ein Segelschiff als einen Ozeandampfer. Das Haus ist verbunden mit wunderschönen Kindeserinnerungen an meine Grossmutter. Infolge Erbfolge war es nicht möglich, das Haus in der Familie zu behalten und ist heute durch einen Neubau ersetzt. Einzelne Bauteile sind heute in mein Haus in Illnau-Mesikon integriert.




1956. Abdankungshalle Friedhof Adliswil
Heute nicht mehr als solche genutzt und heisst jetzt Helen Dahm-Haus. Grosse Wandfresken von Helen Dahm, einer Künstlerfreundin. Die Innenräume werden von der Friedhofverwaltung genutzt. Eine Auffrischung täte gut.



1956. Restaurant Kibitz, Herisau
Die Aehnlichkeit mit Zollingers Mövenpick-Einrichtungen ist unverkennbar. Ein Blickfang war die grosse Wanddekoration der Künstlerin Silvia d’Altri. Wie bei vielen seiner Bauwerke, hatte Zollinger auch hier die Zusammenarbeit mit einer Künstlerin realisiert. Heute umgebaut als Pizza-Restaurant Pomodoro, Bahnhofstrasse 17. Mehr im Kapitel Restaurants
1958. Seilbahn Adliswil-Felsenegg, Tal- und Bergstation
Heute glücklicherweise sorgfältig renoviert, dem Zeitgeist entsprechend in gepflegtem Grau und Weiss und nicht mehr in den ursprünglichen Farben mit Gelb und ziegelroten Backsteinen.



1959. Haus Deslarzes, Adliswil
Bis heute konnte ich nicht herausfinden, ob das Haus noch steht. Vielleicht wurde es stark verändert und ist nicht mehr erkenntlich.

1960. Wohn- und Geschäftshaus Bahnhofplatz 4, Adliswil
Beschreibung von Galli Rudolf Architekten Zürich, welche die Renovation 2007-2009 ausführten:
Die Liegenschaft am Bahnhofplatz 4 in Adliswil aus dem Jahr 1960 ist ein Spätwerk des Architekten Otto Zollinger, der sich an einer gemässigten Moderne im Sinne des Neuen Bauens orientierte. Das Haus an prominenter Lage am Bahnhofplatz von Adliswil sollte nach fast 50-jähriger Nutzungszeit einer Gesamtsanierung unterzogen werden. Die grösste architektonische Aufgabe bestand in der Aufwertung des heruntergekommenen Äusseren des qualitätsvollen Baus. Bei der Sanierung wurde auch die Gebäudehülle wärmetechnisch und bauphysikalisch erneuert. Die neue Farbgebung, die kubisch kontrollierte Bearbeitung sowie die Bekleidung des öffentlichen Sockelbereichs mit hochwertigen Mosaiksteinen verleiht dem Gebäude eine neue Erscheinung, die dem Gedankengut Otto Zollingers entspricht und dem Bau gerecht wird. Im Inneren erfolgte neben technischen Anpassungen wie statischen Verstärkungen auch die Klärung des Brandschutzes, eine Strangsanierung sowie vor allem die Erneuerung der Bäder und Küchen. Die Wohnungen wurden für einen neuen Lebensabschnitt ganzheitlich modernisiert. Die Gesamterneuerung erfolgte in bewohntem Zustand.




Hauseingang. Ausschnitt des Mosaiksockels rund um das Haus.


Die hohe Treppenhaus-Verglasung erinnert an die ebenfalls hohen Treppenhaus-Verglasungen bei der Walsheim-Brauerei 1926 (links) und beim Haus der Arbeiterwohlfahrt 1930 in Saarbrücken von Otto Zollinger im Baustil «Neues Bauen».

1963. Projekt Telstar-Hotel, Adliswil
Es war ein beeindruckendes Projekt in Form eines Pentagons (5-Eck), welches nicht realisiert wurde. Der geplante Standort ist mir unbekannt.
1964. Ueberbauungsvorschlag Areal Neugut, Adliswil
Es ist nur die hier abgebildete Skizze vorhanden, mehr ist nicht bekannt.


Projekt Zentrum Adliswil
Datum unbekannt, nicht realisiert. Vielleicht Bahnhofplatz. Einige Gebäude sind sehr ähnlich dem von Otto Zollinger realisierten Wohn- und Geschäftshaus Bahnhofplatz 4, siehe oben.

Wohnüberbauung Rütistrasse, Adliswil
Es sind Pläne vorhanden der 3. Bauetappe. Jahre unbekannt. Aufgrund des Verlaufs der Rütistrasse und des Waldes rechts vermutlich Hausnummern 2-4 und höher gelegene. Heute wahrscheinlich renoviert, umgebaut und so nicht mehr erkenntlich.

Wohnüberbauung Buttenau/Finsterrütistrasse, Adliswil
Es sind Pläne von Vorprojekten vorhanden. Aufgrund des Waldes rechts vermutlich Finsterrütistrasse 29-35 an der Gemeindegrenze zu Langnau. Das Projekt wurde redimensioniert, da nur noch 1 mehrteiliger Wohnblock vorhanden ist.
Otto Zollinger ist 1970 verstorben während einer Bauzeit – ich gehe davon aus, dass es sich um diese Wohnüberbauung handelte.



Zu allen Objekten, wo der Standort mir unbekannt ist, bin ich natürlich dankbar für Hinweise.